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Zinswende der Fed: Wie wirkt sie sich auf die Bauzinsen hierzulande aus?

Lübeck, 27.09.2017

Im Dezember 2015 hat die amerikanische Notenbank Federal Reserve Bank (Fed) die Zinswende in den USA eingeläutet und den Leitzins seitdem immer weiter erhöht. Heute bewegt er sich innerhalb einer Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent. Obwohl sich die Inflation in den USA nicht wie erhofft entwickelt und die gewünschte 2-Prozent-Marke noch nicht erreicht hat, kündigte Notenbank-Chefin Janet Yellen für 2017 eine weitere Leitzinserhöhung an. Es wäre bereits die dritte in diesem Jahr. In Europa gestaltet sich die Lage anders: Hierzulande ist die Inflation stabil, die europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins in 2017 dennoch bei 0,00 Prozent belassen. Mit verschiedenen Äußerungen ließ EZB-Chef Mario Draghi einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik der EZB wahrscheinlicher werden. Das führte im August 2017 bei den Bauzinsen zu einem vorübergehenden Anstieg, der sich allerdings kurz darauf wieder ausglich. Wie wird es 2017 und 2018 weitergehen? In diesem Artikel wollen wir die aktuellen Entwicklungen für Käufer oder Immobilienbesitzer einordnen.

Fed kündigt dritte Leitzinserhöhung für 2017 an

Aufgrund einer insgesamt positiven Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft hatte die Fed bereits im Dezember 2015 zum ersten Mal seit neun Jahren den Leitzins angehoben, um einen Viertelpunkt. Sie befanden sich damit auf einem Niveau von 0,25 bis 0,5 Prozent. Damit läutete sie die Zinswende ein. Ursprünglich gingen Experten davon aus, dass die US-Notenbank in 2016 insgesamt vier weitere Erhöhungen vornehmen würde. Das ist nicht eingetroffen. Gründe für ihre Zurückhaltung waren die weltweit hohe Dollarverschuldung und die Tatsache, dass die Beschäftigungsquote in den USA verhältnismäßig niedrig blieb. Erst ein Jahr später, im Dezember 2016, sendete mit der zweiten Leitzinserhöhung auf eine Bandbreite von 0,5 bis 0,75 Prozent einen erneuten Impuls Richtung Europa. Im März 2017 folgte die Erhöhung auf 0,75 bis 1,00 Prozent, im Juni schließlich auf 1,00 bis 1,25 Prozent. Den Äußerungen Yellens zufolge dürfte in 2017 noch eine dritte Erhöhung erfolgen.

Bereits bei der ersten Leitzinserhöhung durch die Fed Ende 2015 hieß es, die Entwicklung könne leicht steigende Zinsen im Euroraum nach sich ziehen und auch hierzulande höhere Bauzinsen zur Folge haben. Dies hat sich nicht bewahrheitet: Obwohl die Fed den Leitzins in den folgenden Monaten kontinuierlich weiter anhob, sind die hiesigen Bauzinsen nicht angestiegen, sondern haben sich seitwärts bewegt. Dies zeigt das Zinschart von Dr. Klein.

Wie agiert die EZB?

In den vergangenen Jahren hat sich die EZB meist mit mehrmonatiger Zeitverzögerung an die Fed angepasst. Diesen Trend hat sie nach der ersten Erhöhung durch die Fed im Dezember 2015 beendet und im April 2016 genau entgegen gesetzt gehandelt, indem sie den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent herab setzte. Wie kam es dazu? Grundsätzlich muss die EZB immer abwägen: Durch die Leitzinserhöhung der Fed werden Geldanlagen im Dollar-Währungsraum zwar attraktiver, sodass Kapital aus der Eurozone dorthin abwandert. Dieser Tendenz könnte die EZB mit einer eigenen Leitzinserhöhung entgegen treten. Vorrangig macht die EZB ihre Entscheidung aber von der wirtschaftlichen Lage in Europa abhängig. Die Situation am Arbeitsmarkt gilt auch hierzulande als wichtiger Wegweiser für Notenbankentscheidungen und bildet ein bedeutendes Gegengewicht zum Impuls aus den USA. Auch jetzt, Ende 2017, spricht nach wie vor wenig dafür, dass die EZB den Leitzins in Kürze erhöht. Zwar ist die Anzahl neuer Jobs innerhalb der EU gestiegen, die Arbeitslosenquote hat sich dadurch jedoch kaum verringert, und die Kerninflationsrate, in der Energie- und Lebensmittelpreise keine Berücksichtigung finden, ist in der letzten Zeit nur sehr leicht angestiegen. Experten gehen daher nicht davon aus, dass die EZB den Leitzins in Kürze anheben wird.

Warum sind die Bauzinsen hierzulande im August 2017 angestiegen?

Ende Juni 2017 äußerte sich Mario Draghi recht positiv über die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone. Dies wurde als Hinweis auf ein baldiges Ende der lockeren Geldpolitik gesehen, der Markt reagierte mit steigenden Zinsen. „Aus der heutigen Perspektive betrachtet kann man sagen, dass der Zinsanstieg vor allem auf psychologischen Aspekten und Herdentrieb beruhte“, beurteilt Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, im Zinskommentar. Draghis Worte hatten Marktteilnehmer von einer baldigen Leitzinserhöhung ausgehen lassen. Nachdem die EZB eine Klarstellung tätigte, beruhigte sich der Markt wieder, und auch die Bauzinsen sanken wieder ab.

Was raten wir Hauskäufern und Immobilienbesitzern?

Für Hauskäufer gibt es keinen Grund, nach den letzten Notenbankentscheidungen in Aktionismus zu verfallen. Man muss die aktuelle Entwicklung in Relation betrachten: Noch vor vier bis fünf Jahren lag das Zinsniveau für Kredite mit zehnjähriger Zinsbindung noch zwischen 3,00 und 3,50 Prozent pro Jahr. Sollten die Zinsen, die aktuell bei 0,95 Prozent liegen, in 2017 um wenige Prozentpunkte steigen, befinden sie sich immer noch auf einem historisch niedrigen Niveau. 

Das bedeutet: Sie können Ihre Baufinanzierung im kommenden Jahr gelassen angehen. Denselben Rat geben wir auch allen, die eine Anschlussfinanzierung planen. Das niedrige Zinsniveau hat für Sie aber einen besonderen Vorteil: Sie können schon jetzt auf Nummer sicher gehen. Mit einem Forward Darlehen reservieren Sie sich die heutigen Zinsen für einen späteren Zeitpunkt – damit liegen Sie derzeit immer richtig. Übrigens bietet Dr. Klein Ihnen längere Vorlaufzeiten als gewöhnlich: Bei uns können Sie Ihre Anschlussfinanzierung bis zu fünfeinhalb Jahre im Voraus in trockene Tücher bringen.

Sie sind sich noch nicht sicher, wie es weitergehen soll? Unsere Berater vor Ort beantworten jederzeit Ihre Fragen zur aktuellen Lage.

Entwicklung der Zinsen

Unser Zinschart zeigt Ihnen den Zinsverlauf der letzten Jahre bei verschiedenen Zinsbindungen.

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