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Welche Einflussfaktoren wirken sich auf die Zinsen für Baufinanzierung aus?

Die Bank gewährt Ihnen bei der Baufinanzierung einen bestimmten Zinnsatz. Doch diesen Baukreditzins würfelt sie nicht einfach willkürlich aus. Es gibt bestimmte Einflussfaktoren, die wir Ihnen hier vorstellen.

Welche Einflussfaktoren wirken sich auf die Zinsen für Baufinanzierung aus?
  • Inhaltsverzeichnis
    • Wie Baukreditzinsen entstehen

      Ein Großteil aller Immobilienkäufer benötigt eine Baufinanzierung, um ein Eigenheim zu erwerben. Ein logischer Schritt ist der Weg zur Bank. Sie unterbreitet Ihnen ein Angebot für einen Kredit, der aufgrund seiner Höhe mehrere Jahre laufen wird. Das Geld bekommen Sie nicht umsonst, die Bank berechnet Ihnen dafür Jahr für Jahr eine Art Leihgebühr, den gebundenen Sollzins. Je niedriger er ausfällt, umso weniger Zinskosten zahlen Sie im Laufe der Zeit.

      Aber wie entsteht der Sollzins? Setzt die Bank ihn völlig nach eigenem Ermessen an, wovon ist sie dabei abhängig? In diesem Artikel wollen wir uns den verschiedenen Einflussfaktoren widmen, die für Baukreditzinsen entscheidend sind: Ihre finanzielle Situation auf der einen Seite, äußere Faktoren wie beispielsweise das allgemeine Zinsniveau in Europa und den USA auf der anderen.

      So ermittelt die Bank Ihren persönlichen Zins

      Baukreditzinsen entstehen nicht von allein, sie sind vielmehr Teil eines Geflechts wirtschaftlicher Zusammenhänge. Es gibt sozusagen ein Grundniveau, auf dem sie sich bewegen. Dieses Grundniveau wird von bestimmten Einflussfaktoren gesteuert. Maßgeblich dafür ist vor allem die deutsche Wirtschaft. Aber auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed) spielen eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus können wichtige, wirtschaftspolitische Ereignisse das aktuelle Niveau der Bauzinsen kurz- bis mittelfristig verändern. Banken betrachten diese Entwicklungen, bevor sie eine Baufinanzierung vergeben. In der Regel gehen sie dabei wie folgt vor.

      1. Die Bank kümmert sich um die Refinanzierung

        Wenn Sie eine Baufinanzierung beantragen, muss Ihre Bank das Geld dafür selbst beschaffen. Sie leiht es sich zu bestimmten Konditionen entweder bei anderen Geldinstituten oder Anlegern. Ist das Grundniveau der Zinsen für Baufinanzierungen gerade niedrig, zahlt sie selbst wenig für ihre Kredite und gibt diesen Vorteil an Sie als Kunden weiter. In diesem Fall fällt Ihr persönlicher Sollzins von vorneherein günstiger aus – und umgekehrt. Fallen die Kredite für die Bank selbst teuer aus, gleicht sie diesen Nachteil wieder aus, indem sie höhere Hypothekenzinsen von Ihnen verlangt.

      2. Die Bank analysiert Ihre individuellen Voraussetzungen

        Im nächsten Schritt nimmt die Bank den Kunden genauer unter die Lupe und untersucht seine persönlichen Voraussetzungen: Wie ist es um Ihre Bonität bestellt, welche Zahlungsmoral haben Sie in der Vergangenheit an den Tag gelegt, wieviel Eigenkapital bringen Sie mit und verfügen Sie über ein gesichertes Einkommen? All das wird während des Antragsprozesses eingehend geprüft.

      3. Die Bank kalkuliert das Finanzierungsrisiko

        Zum Schluss bezieht die Bank auch noch die Eckdaten der Finanzierung mit ein: Wie hoch ist die Darlehenssumme, in welchem Zustand befindet sich die anvisierte Immobilie, welche Sonderwünsche haben Sie bezüglich Ihres Kreditvertrages? All das hat ebenfalls einen gewissen Einfluss auf die Höhe des Sollzinses. Durch diese Schritte entsteht schließlich Ihr persönlicher Bauzins, der in den kommenden Jahren für Ihre Finanzierung gilt.

      Wie individuelle Faktoren den Baukreditzins beeinflussen

      Im Mittelpunkt des Interesses stehen Sie als Kunde: Wenn Sie vor Ihrem Bankberater Platz nehmen, um eine Baufinanzierung zu beantragen, dann betrachtet er zuerst Ihre finanzielle Lage. Die Bank lässt Ihre Einkommensverhältnisse detailliert darlegen und wirft einen Blick auf Ihr Gehalt, auf die Ersparnisse und auf Sondereinkünfte wie Mieteinnahmen, Erbschaften oder sonstige Rentenzahlungen. Im Anschluss betrachtet sie Ihre bisherigen, regelmäßigen Ausgaben und findet auf diese Weise heraus, wie groß Ihr finanzieller Spielraum ausfällt. Das alles hat Einfluss auf die Zinsen Ihrer Baufinanzierung.

      Die Art Ihrer Erwerbstätigkeit

      Jemand, der von Haus aus besser gestellt ist, erhält leichter Kredite zu guten Konditionen als jemand, der finanziell zu kämpfen hat. Ein regelmäßiges, hohes, sicheres Gehalt bildet eine gute Voraussetzung für eine günstige Baufinanzierung. Festangestellte befinden sich damit in einer besseren Ausgangsposition als Freiberufler, Selbstständige, Rentner oder Arbeitssuchende. Das bedeutet nicht, dass diese Gruppe keinen Kredit erhält, aber ihr Sollzins fällt grundsätzlich höher aus. Gibt es einen zweiten Finanzierungsträger, zum Beispiel den Ehepartner, der sich in Festanstellung befindet, steigt die Wahrscheinlichkeit auf günstige Zinsen bei der Baufinanzierung wieder. Ebenfalls wichtig: Die Höhe des Eigenkapitals. Selbst eingebrachte Geldmittel senken das Finanzierungsrisiko, was die Bank mit einem niedrigeren Sollzins honoriert.

      Ihr SCHUFA-Score

      Je besser die Bonität - beziehungsweise Zahlungsfähigkeit – eines Darlehensnehmers, desto günstiger fallen die Zinsen für Baufinanzierungen aus. Wenn Sie eine Baufinanzierung beantragen, holt die Bank Ihre Einwilligung für eine SCHUFA-Auskunft ein. Die SCHUFA sammelt Daten über vorhandene Konten und Kredite sowie Kreditkarten aller natürlichen Personen und Unternehmen, und sie registriert beispielsweise auch offene Zahlungen und Inkassoverfahren. Dafür ermittelt sie den sogenannten SCHUFA-Score, den sie in Prozenten angibt. Je näher der Score an der 100-Prozent-Marke liegt, desto besser ist es um denjenigen bestellt. Das bewertet die Bank positiv und setzt den Bauzins niedriger an. Verweigern Sie der Bank die SCHUFA-Auskunft, liegen Ihre Chancen auf einen Baukredit bei null.

      Ihre Immobilie

      Zuletzt analysiert die Bank noch die Lage und den Zustand der Immobilie, die Sie kaufen möchte. Falls Sie bereits vergleichbare Objekte in derselben Lage finanziert hat, kennt sie den Wert bereits. Anderenfalls schickt sie einen Sachverständigen los, der das Haus oder die Wohnung vor Ort begutachtet. Bei minderwertigen Objekten stehen die Chancen schlecht, überhaupt eine Finanzierung zu erhalten, geschweige denn zu niedrigen Zinsen bei der Immobilienfinanzierung. Ist die Immobilie in gutem Zustand und verfügt sie über eine attraktive Lage, setzt die Bank den Sollzins wohlwollender an.

      Ihre Finanzierung

      Die meisten Immobilienkäufer entscheiden sich unseren Erkenntnissen zufolge heutzutage für ein Annuitätendarlehen mit konstant gleich hohen Monatsraten über die gesamte Laufzeit hinweg. Der Kreditvertrag verfügt aber auch über bestimmte Zusatzoptionen, die Sie selbst justieren können, die aber unter Umständen den Sollzins erhöhen oder auch verringern. Unser Zinsrechner zeigt Ihnen anhand tagesaktueller Beispielkonditionen, wie sich der Zinssatz verändert, je nachdem, welche Sollzinsbindung oder Tilgung Sie zum Beispiel wählen.

      Zins und Rate berechnen

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      Je länger die Zinsbindung, desto höher der Zins

      Bei Kreditabschluss müssen Sie sich für eine bestimmte Zinsbindung entscheiden. In dieser Zeit bleibt der Sollzins immer gleich hoch, Sie zahlen immer dieselbe Rate. Mit anderen Worten: Besonders lange Zinsbindungen bringen Sicherheit mit sich, weil die Rate dann über einen sehr langen Zeitraum hinweg kalkulierbar ist. Das lassen Banken sich bezahlen, indem sie Aufschläge auf den Sollzins ansetzen. Im Schnitt liegt der Aufschlag pro 5 Jahre mehr bei circa 0,5 Prozentpunkten. Zur Wahl stehen Zinsbindungen von 5, 10, 15, 20, 25 oder sogar 30 Jahren.

      Je höher die Tilgung, desto niedriger der Sollzins

      Zu Beginn legen Sie fest, wieviel Prozent Ihrer monatlichen Rate in die Tilgung des Darlehens, also in die Rückzahlung der Schulden, fließen sollen. Je höher Sie diese sogenannte „anfängliche Tilgung“ ansetzen, desto niedriger wird Ihr Sollzins ausfallen. Das Minimum liegt bei einem Prozent pro Jahr, empfehlenswert sind mindestens zwei, besser noch drei Prozent. Die Bank ist daran interessiert, dass Sie die Restschuld schnell begleichen, denn umso eher erreichen Sie die Schuldenfreiheit. Der Zeitraum, in dem ein Finanzierungsrisiko für beide Seiten besteht, verkürzt sich dadurch. Deshalb senken Banken bei höheren, anfänglichen Tilgungsraten den Sollzins.

      Tilgungssatzwechsel und Sondertilgungen erhöhen den Sollzins

      Mit Sondertilgungsoptionen haben Sie die Möglichkeit, außerhalb Ihrer monatlichen Rate noch mehr Beträge in Ihren Baukredit zu investieren, um die Restschuld schneller zu senken. Diese Möglichkeit ist beispielsweise praktisch, wenn Sie vom Arbeitgeber Sonderzahlungen erhalten oder ein Sparvertrag fällig wird.

      Tilgungssatzwechsel können nützlich sein, wenn es bei Ihrem Einkommen zu Engpässen kommt, weil beispielsweise durch ein weiteres Kind während der Elternzeit ein Teil des Gehaltes wegfällt. Dann können Sie den Tilgungsanteil herabsetzen und damit die monatliche Rate senken. Die meisten Baukredite enthalten standardmäßig pro Jahr einmal die Möglichkeit, eine Sondertilgung in Höhe von meist fünf Prozent zu leisten.

      Umfangreichere Sondertilgungen pro Jahr erhöhen den Sollzins. Tilgungssatzwechsel sind hingegen oft von Beginn an gar nicht erst vorgesehen, können aber auf Wunsch in den Vertrag eingebunden werden. Sie schlagen sich ebenfalls auf den Sollzins nieder. Hierbei gibt es aber Unterschiede in der Vorgehensweise: Manche Banken erheben den höheren Sollzins erst, sobald die Sondertilgungen oder der Tilgungssatzwechsel wahrgenommen werden, andere erheben den höheren Sollzins über die gesamte Zinsbindung hinweg und unabhängig davon, ob die Optionen gezogen werden oder nicht.

      Welche Extras brauchen Sie wirklich bei Ihrer Finanzierung?

      Werden Sie sich vor allem bewusst darüber, welche Extras Sie wirklich brauchen und auf welche Sie verzichten können. Stellen Sie sich dazu Fragen wie: Ist es wirklich wahrscheinlich, dass ich pro Jahr mehr als 5 Prozent der Gesamtsumme als Sondertilgung einzahlen kann und will, oder ist es nicht doch realistischer, dass ich mir für das Geld etwas anderes gönne? Wie wichtig sind Tilgungssatzwechsel, etwa, weil eine Veränderung des Einkommens ansteht?

      Wenn Sie diese Bereiche kritisch beleuchten und zu einem Ergebnis kommen, können Sie unter Umständen einige Punkte hinter dem Komma beim Sollzins gutmachen. Seien Sie dabei aber nicht zu streng mit sich selbst: Gerade bei der anfänglichen Tilgung lässt sich der Sollzins zwar gut optimieren, aber je höher Sie tilgen, desto größer fällt Ihre monatliche Belastung durch die höhere Kreditrate aus. Sie sollten aber noch genügend Spielraum für Unvorhersehbares wie Reparaturen oder kaputte Haushaltsgeräte bewahren, und gut leben wollen Sie schließlich auch.

      Äußere Faktoren: Die Wirtschaftslage und der Baukreditzins

      Wenn eine Bank eine Baufinanzierung an Kunden rausgibt, muss sie das Geld dafür vorher selbst irgendwoher bekommen. Das Stichwort dazu lautet: Refinanzierung von Baufinanzierungen. In der Regel leiht sie es sich selbst bei Anlegern, und zwar über Pfandbriefe. Wie genau das abläuft, zeigt Ihnen unser Artikel zum Thema Leitzins der EZB und sein Einfluss auf die Bauzinsen.

      Kurz gesagt: Um an die finanziellen Mittel für Baufinanzierungen zu gelangen, vergibt die Bank Immobilienpfandbriefe an Investoren. Damit diese Form der Anlage überhaupt Investoren findet, muss die Bank Zinsen darauf zahlen. Je weniger, desto besser für sie Bank, denn desto günstiger bekommt sie die Finanzmittel und umso mehr profitieren die Baufinanzierungskunden davon, denn dann sind auch die Baukreditzinsen am Ende niedriger. Die Zinsen der Pfandbriefe orientieren sich wiederum an den Zinsen einer ähnlichen Anlageklasse, nämlich an denen der deutschen Staatsanleihen. An dieser Stelle kommt der Faktor „deutsche Wirtschaft“ ins Spiel.

      Die deutsche Wirtschaft

      Staatsanleihen sind für Staaten wie Deutschland ein Mittel der Geldbeschaffung. Deutschland tritt damit als Kreditgeber auf, und die Käufer der Staatsanleihen investieren in das Land. Mit den auf diese Weise gewonnenen Geldern kann Deutschland die eigene Wirtschaft ankurbeln oder beispielsweise den Finanzhaushalt unterstützen.

      Wenn Deutschland solide wirtschaftet und gut dasteht, sind deutsche Staatsanleihen sehr beliebt. Das ist seit Jahren der Fall, sie gelten als „sicherer Hafen“. Umso größer ist die Nachfrage danach. Die Nachfrage bestimmt den Preis, die Kurse der Staatsanleihen steigen. Gleichzeitig kann Deutschland aber immer weniger Zinsen dafür gewähren, weil das Verleihgeschäft sonst nicht rentabel bliebe.

      Die Folge: Die Zinsen der Staatsanleihen sinken. Weil die Pfandbriefzinsen davon direkt abhängen, rutschen sie mit in die Tiefe und sorgen für niedrige Baukreditzinsen. Hieraus ergibt sich eine direkte Kettenreaktion: Eine stabile, deutsche Wirtschaft sorgt für sinkende Staatsanleihezinsen, woraufhin Pfandbriefzinsen und Baukreditzinsen sinken. Reagieren die Staatsanleihen, folgen die Baukreditzinsen ihnen in der Regel. Zwischen dem ersten Impuls durch die Staatsanleihen und der Reaktion der Baukreditzinsen vergehen meist wenige Wochen. Wie unsere Grafik zeigt, ist dies ein durchaus üblicher Reaktionszeitraum.

      Wenn die Zinsen für Staatsanleihen (und Baukreditzinsen) steigen

      Selbstverständlich kann die Kettenreaktion auch umgekehrt ablaufen, und genau das war im November 2016 der Fall. Zwei Faktoren spielten dabei eine Rolle und wirkten sich gleichzeitig auf die Zinsen aus. Anfang Oktober kündigte die EZB an, ihr Anleihekaufprogramm drosseln zu wollen. Darauf reagierten die Zinsen der Staatsanleihen mit einem leichten Anstieg. Anfang November wurde der Aufwärtstrend durch den unerwarteten Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen kurzfristig verstärkt. Anleger wanderten aus der Eurozone ab in Richtung Dollarraum, deutsche Anleihen gerieten unter Druck, weil die Nachfrage nachließ, und die Anleihezinsen stiegen folgerichtig an. Im Dezember erholten sich Staatsanleihen und Baukreditzinsen wieder von diesen äußeren Einflüssen, verblieben aber auf einem insgesamt höheren Niveau als zuvor.

      Staatsanleihen im Auge behalten

      Behalten Sie die Kursverläufe der deutschen Staatsanleihen im Blick, bevor Sie eine Immobilienfinanzierung abschließen. Sie werden von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht und bieten eine recht verlässliche, mehrwöchige "Wettervorhersage" im Hinblick auf die Baukreditzinsen.

      Wie die Europäische Zentralbank (EZB) Ihre Baufinanzierung beeinflusst

      Das Zinsniveau in Europa wird maßgeblich durch die EZB bestimmt. Zu ihren Hauptaufgaben zählt es, die Preisstabilität und damit die Kaufkraft des Euro zu gewährleisten. Läuft die Konjunktur im Euroraum auf Hochtouren und ist die Wirtschaft stabil, dann entzieht die EZB dem Wirtschaftskreislauf Geld. Auf diese Weise steigert sie den Wert des Geldes und senkt die Inflationsgefahr. Geht es der Wirtschaft jedoch schlecht, bringt die EZB mehr Geld in den Umlauf, um sie wieder anzukurbeln. Dann droht der Wert des Geldes auf Dauer allerdings zu stark zu sinken, die Inflationsgefahr steigt. Um zu entscheiden, wie sie handelt, orientiert sich die EZB an der Inflationsrate. Zur konkreten Steuerung der Geldmenge stehen ihr vor allem zwei Werkzeuge zur Verfügung: der Leitzins und die Möglichkeit, Anleihen zu kaufen.

      Die Rolle der Inflationsrate

      Die Inflationsrate gibt die Höhe der Verbraucherpreise an und bietet damit eine wichtige Orientierung bezüglich der Wirtschaftskraft eines Währungsraums. Steigen die Verbraucherpreise, sinkt der Wert des Geldes. Beispielsweise lassen sich dann mit 10 Euro nur noch Waren im Wert von 9 Euro kaufen. Das heißt nichts anderes als dass auf dem Papier noch immer dieselbe Zahl steht, dafür aber letztlich weniger erhältlich ist. Zuletzt lag die europäische Inflationsrate insgesamt zwar bei 1,1 Prozent (Stand: Quelle: Statista), die deutsche sogar bei 1,7 Prozent. Die sogenannte Kerninflation, aus der Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, betrug in der EU allerdings nur 0,3 Prozent (Quelle: Eurostat / HVPI). Damit ist die Inflationsrate aktuell noch zu niedrig. Als Idealwert für eine stabile Wirtschaft gilt eine Rate von nahezu 2,0 Prozent, und dieses Ziel hat auch die EZB für den Euroraum ausgerufen.

      Beobachten Sie auch die Inflationsrate

      Aktuell ist das Inflationsziel zwar noch nicht in Sicht, das kann sich durch steigende Verbraucherpreise aber ändern. Nähert sich die Rate den angepeilten 2,0 Prozent, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung durch die EZB. Das brächte im Vorfeld auch steigende Zinsen für Baufinanzierungen mit sich, wie der folgende Abschnitt zeigt.

      Das Verhältnis von Leitzins und Baukreditzinsen

      Die Europäische Zentralbank verleiht Geld an europäische Banken. Dazu legt sie den Leitzins fest: Er gibt an, zu welchen Konditionen sich die Banken das Geld leihen können. Die wiederum geben die Konditionen, ob nun gut oder schlecht, an ihre Kunden weiter. In wirtschaftlich guten Zeiten wird weniger frisches Geld benötigt, also erhöht die EZB den Leitzins, womit auch die Kreditzinsen für Verbraucher in die Höhe gezogen werden. Sparer profitieren gleichzeitig davon, denn auch die Zinsen für kurzfristig verzinste Geldanlagen steigen dann. In wirtschaftlich schlechteren Zeiten senkt die EZB den Leitzins, die Kreditzinsen sinken ebenfalls, und mit dem geliehenen Geld soll der Wirtschaft wieder auf die Beine verholfen werden.

      Das betrifft in gewisser Weise auch die Baukreditzinsen, denn es besteht durchaus eine Korrelation zwischen dem Leitzins und den Bauzinsen. Allerdings in einer anderen, zeitlichen Abfolge als oftmals behauptet. Es ist nicht so, dass die Bauzinsen erst dann reagieren, wenn der Leitzins erhöht oder gesenkt wurde. Die EZB kündigt ihre Handlungen oft im Vorfeld an, und dann bereits beginnt der Markt, die zu erwartende Maßnahme einzupreisen. Das bedeutet: In der Regel sinken oder steigen die Bauzinsen, bevor es der Leitzins tut:

      Die Entwicklung von Leitzins und Baukreditzinsen
      Quelle: drklein.de

      Um das Verhältnis zwischen Leitzins und Baukreditzinsen noch mal auf den Punkt zu bringen: Der Leitzins gibt ein Grundniveau für alle Zinsen vor und stellt deshalb auch eine Leitlinie für die Bauzinsen dar, an der sie sich orientieren. Das tun sie aber bereits, bevor sich der Leitzins verändert.

      Welche Bedeutung hat der Leitzins für Immobilienkäufer?

      Der Leitzins bietet zwar Orientierung im Hinblick auf die Frage, wohin sich das allgemeine Zinsniveau entwickeln wird. Weil die Bauzinsen ihm meist vorauseilen, hat er für Immobilienkäufer allerdings kaum Informationsgehalt. Da lohnt sich eher ein Blick auf den Verlauf der Staatsanleihen.

      Anleihekaufprogramme als Einflussfaktor für Bauzinsen

      Die EZB kauft Anleihen, um Staaten wirtschaftlich zu unterstützen. Durch die Kaufprogramme hält die EZB die Nachfrage an den Staatsanleihen hoch, die Zinsen niedrig. Dieses Vorgehen wird als „Quantitative Easing“ bezeichnet, das Programm startete im März 2015. Staaten erhielten dadurch günstig Geld, um ihre Finanzhaushalte zu sanieren, ihre Kaufkraft zu steigern und den Idealwert der Inflation zu erreichen. Die EZB hat in diesem Zeitraum jeden Monat Anleihen im Wert von 80 Milliarden erworben, das Anleihekaufprogramm aber 2017 wieder beendet. Die Maßnahmen der EZB sind der gesamtwirtschaftlichen Lage innerhalb des Euroraumes geschuldet.

      Öffnen Sie als Immobilienkäufer also den Blick dafür: Läuft es wirtschaftlich gut, wird auch das allgemeine Zinsniveau steigen, läuft es schleppend, bleibt das Zinsniveau niedrig. Dass die Inflationsrate im Euroraum steigt, ist zwar ein erster Schritt in die von der EZB angepeilte Richtung, er fällt aber noch nicht groß genug aus, um den Boden für eine baldige Leitzinserhöhung zu bereiten. Experten rechnen nicht vor Mitte/Ende 2020 mit einer Leitzinserhöhung.

      Die US-Wirtschaft und die Baukreditzinsen

      Die Zinsen für Baufinanzierungen werden nicht nur von der europäischen Wirtschaft beeinflusst, sondern auch von außereuropäischen Wirtschaftssystemen. Tonangebend sind hierbei vor allem die USA. Je stärker der Dollar dasteht, desto mehr Investoren wandern Richtung USA ab und ziehen Kapital aus der Eurozone. Dadurch geraten in der Regel auch die deutschen Staatsanleihen unter Druck: Die Nachfrage danach schwindet, ihr Kurs sinkt, und ihre Zinsen steigen. So entsteht in der Regel der Dominoeffekt zwischen wirtschaftlich positiver Entwicklung in den USA und einer zeitverzögerten Reaktion unserer Baukreditzinsen.

      Die Zeitverzögerung beträgt meist mehrere Wochen. Spontane Reaktionen sind zwar möglich, aber selten. Zu beobachten sind sie vor allem, wenn unerwartete Ereignisse eintreffen, wie beispielsweise die Wahl Donald Trumps bei der Präsidentschaftswahl im November 2017. Diese kurzfristigen Impulse können für einen schnellen Anstieg der Zinsen hierzulande sorgen, wovon sie sich meistens wieder schnell erholen. Nachhaltiger wirken sich die Handlungen der Fed auf unsere Baukreditzinsen aus:

      Erhöht die US-Notenbank die Leitzinsen in den USA, wägt die EZB ab, ob sie nachziehen und den Leitzins ebenfalls erhöhen soll, um die Geldanlage wieder attraktiver zu gestalten und im Wettbewerb mit den USA mitzuhalten. Oder ob sie höhere Priorität auf die europäische Wirtschaftslage legt und entgegen gesetzt handelt. Dies ist derzeit der Fall: Eine Leitzinserhöhung würde zu große Nachteile für den Euro-Währungsraum nach sich ziehen, deshalb beließ die EZB den Leitzins bisher bei null. Eine Fed-Leitzinserhöhung lockt aber ohnedies Anleger in die USA, sodass europäische Anleihen und Zinsen darauf auch unabhängig von einer Gegenreaktion der EZB auf die Entwicklungen in Übersee reagieren.

      Weitere Einflussfaktoren: Politische Geschehnisse, Beispiel Brexit

      Die Spezialisten von Dr. Klein erstellen regelmäßig Zinsprognosen und beurteilen im monatlich erscheinenden Zinskommentar die aktuelle Lage und beziehen dabei auch immer politische Weltereignisse in ihre Zinsprognose mit ein. Denn auch diese können Zinsen der Immobilienfinanzierung beeinflussen. So war beispielsweise das Referendum zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU (umgangssprachlich: „Brexit“) zuletzt ein großes Thema. Die Entscheidung der Engländer hat die Baukreditzinsen hierzulande auf einen Tiefststand gedrückt. Grund: Die Aussicht auf den Austritt Großbritanniens verursacht Unsicherheit unter Anlegern, denn es ist derzeit noch unklar, wie die europäische Wirtschaft darauf reagiert. Anleger zogen sich infolgedessen aus britischen Anleihen zurück, deutsche Staatsanleihen – die „sicheren Häfen“ – waren wieder gefragter. Die Kurse stiegen, die Zinsen sanken. Die Baukreditzinsen nahmen diesen Trend kurzfristig mit.

      Die Einflussfaktoren immer im Blick behalten

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