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Europas Schuldenkrise und die Macht amerikanischer Rating-Agenturen

Europa kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die Unterstützung Griechenlands immer konkretere Formen annimmt, und der Internationale Währungsfonds (IWF) seine nächste Kredittranche ausgezahlt hat, gibt es schon die nächsten Problemkandidaten.

Europa kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die Unterstützung Griechenlands immer konkretere Formen annimmt, und der Internationale Währungsfonds (IWF) seine nächste Kredittranche ausgezahlt hat, gibt es schon die nächsten Problemkandidaten. Portugal steht seit Anfang Juli im internationalen Fokus. In dieser Woche gesellte sich zusätzlich noch Italien dazu.

Drei große amerikanische Rating-Agenturen lenken aktuell scheinbar die weitere Entwicklung der europäischen Krise. Anfang Juli wertete Moody’s die langfristige Kreditwürdigkeit Portugals sehr deutlich ab. Die Agentur äußerte ihre Bedenken darüber, dass Portugal nicht in der Lage sein wird, die vereinbarten Defizitziele zu erreichen. Die Einschätzung über die Bonität Portugals ist entscheidend dafür, zu welchem Preis das Land Geld an den Kapitalmärkten aufnehmen kann. Eine Verschlechterung dieser Einstufung kann die Lage Portugals noch einmal verschlimmern.

So wie Moody’s bewerten auch Standard & Poor’s und Fitch Länder und andere Kapitalmarktteilnehmer. Sie wollen damit Investoren ein umfassendes Bild über die Qualitäten an den Kapitalmärkten verschaffen. Neben den großen drei Agenturen gibt es weltweit etwa noch rund einhundert weitere Rating-Agenturen. Die Macht dieser Agenturen steht zunehmend in europäischer Kritik.

Mit Italien könnte sich ein weiterer Staat zu einem Problemland entwickeln. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen sind auf Rekordniveau. Ob der Entwurf zur italienischen Haushaltssanierung nachhaltig überzeugt, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Sollte die drittgrößte Volkswirtschaft Europas wirklich ins Straucheln kommen, könnte der aktuelle Rettungsschirm nicht ausreichen.

In den USA kämpfen die Parteien mit einem ganz anderen Problem, nämlich der Schuldenobergrenze. Sollte es in den nächsten Tagen im amerikanischen Parlament nicht zu einer Einigung kommen, droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Christine Lagarde, die neue Chefin des IWF, warnt vor dramatischen Folgen, sofern es keine schnelle Einigung zwischen den Demokraten und den Republikanern gibt. Die Demokraten haben die Mehrheit im amerikanischen Senat, die Republikaner verfügen über die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Christine Lagarde sagt sinkende Aktienkurse, anziehende Zinsen und eine Gefahr für die Stabilität der Weltwirtschaft voraus.

Die jüngste Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) war trotz der oben genannten Probleme allgemein erwartet worden. Die Erhöhung um 0,25 Prozent auf 1,50 Prozent war bereits der zweite Zinsschritt in diesem Jahr. Für die nächsten Monate erwarten wir weitere Erhöhungen.

Für den Häuslebauer wie für den Anschlussfinanzierer gilt es gleichermaßen, kleinere Zinsausschläge nach unten konsequent für die langfristige Bindung der Finanzierung zu nutzen. Unter den derzeitigen Bedingungen macht es unseres Erachtens keinen Sinn, auf nachhaltig sinkende Zinsen zu spekulieren. Die Zeichen deuten eindeutig auf ein steigendes Zinsniveau. Tagesmeldungen aus Europa und den USA können jedoch zu kurzfristigen Zinsrückgängen führen.

Kurzfristige Zinsentwicklung: schwankend seitwärts
Mittelfristig Zinsentwicklung: steigend

Autor des Artikels

Michael Neumann

Michael Neumann - Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG

Michael Neumann wurde 1975 in Fürth geboren. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte er ein Studium zum Diplom-Betriebswirt an der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg. Vor seiner Zeit bei Hypoport war Michael Neumann über acht Jahre für die Interhyp-Gruppe tätig, zuletzt als Geschäftsführer von MLP Hyp. Mit seinem Eintritt in den Hypoport-Konzern im Jahr 2011 übernahm er die Geschäftsführung der Qualitypool GmbH und war hier bis 2016 für den Bereich Finanzierungen und damit für die Produktsparten Baufinanzierung, Ratenkredit und Bausparen verantwortlich. Seit Juli 2016 ist er Vorstandsmitglied der Hypoport-Tochterfirma Dr. Klein Privatkunden AG.

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