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Die Krise ist noch nicht vorbei

Deutschland freut sich seit einigen Monaten über ein kleines Wirtschaftswunder, die jüngst veröffentlichten, Arbeitslosenzahlen kennen nur einen Trend, abwärts, und auch der Euro erstarkt wieder gegenüber dem Dollar.

Bei aller Euphorie über diese guten Nachrichten sollte man aber auch die kurzfristigen Aussichten nicht verdrängen. Das für dieses Jahr erwartete Wachstum von 3,3 Prozent könnte sich im nächsten Jahr deutlich auf 2 Prozent abschwächen.

So, wie sich die deutsche Volkswirtschaft heute darstellt, ist sie sehr eng mit Europa verknüpft. Den Hauptteil seiner Exportüberschüsse erzielt Deutschland in der schwachen Eurozone. Steigerungen sind dort nicht zu erwarten. Die aktuellen Meldungen aus Irland beispielsweise sind alarmierend. Ratingagenturen stuften die Bonität herab und für irische Staatsanleihen müssen hohe Aufschläge bezahlt werden.

Die irische Regierung beziffert die Kosten für die Abwicklung der Krisenbank Anglo Irish auf bis zu 35 Milliarden Euro. Die Allied Irish Banks wird bis Ende des Jahres weitere 3 Milliarden Euro benötigen. Aufgrund der besseren Wettbewerbsfähigkeit Irlands ist die Situation dort aber nicht mit der in Griechenland vor einigen Monaten vergleichbar. Die irische Regierung hat bereits eine Reihe von soliden Maßnahmen ergriffen, um dem wirtschaftlichen Abwärtstrend entgegenzusteuern. Das hoch verschuldete Land hat trotz der notwendigen Milliarden zur Stützung des Bankensystems keinen zusätzlichen Finanzbedarf.

Auch Portugal steht an den Kapitalmärkten unter Druck. Doch auch die portugiesische Regierung ist fest entschlossen, den Sparkurs durchzuziehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist überzeugt, dass sich die Situation zwar allmählich normalisiere der Normalzustand aber noch nicht wieder erreicht sei. Als letzte Möglichkeit, so die EZB, könne der Rettungsschirm Irland und Portugal ohne Schwierigkeiten auffangen. Die EU und ihre starken Staaten haben vorgesorgt, um den schwächeren Mitgliedern bei der Überwindung der Krise zu helfen.

Ganz anders stellt sich die Situation in den USA dar. Hier streitet die US-Zentralbank Fed weiterhin kräftig um Konjunkturhilfen. Erst kürzlich hatte die Fed angekündigt, mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Der stockenden Erholung der US-Konjunktur, den weiterhin hohen Arbeitslosenzahlen und der aus ihrer Sicht wachsenden Deflationsgefahr möchte sie damit entgegentreten. Hier rechnen viele Ökonomen erst im Laufe des Novembers mit einem Beschluss.

Auch die Entwicklung der langfristigen Zinsen bleibt von den oben beschriebenen Vorgängen nicht unberührt. Wir konnten in der letzten Woche einen leichten Ausschlag nach oben beobachten. Deshalb empfehlen wir, das nach wie vor historische Zinsniveau für einen langen Zeitraum und für einen großen Finanzierungsanteil zu sichern. Heute können sie Sollzinsbindungen von 25 und 30 Jahren vereinbaren, die nur unwesentlich teurer sind als eine Sollzinsbindung von 15 Jahren. Eine anfängliche Tilgung von mindestens zwei Prozent sollten sie dabei unbedingt vereinbaren. Für den, der sein Darlehen innerhalb von 10, 15 oder 20 Jahren komplett zurückführen kann (sog. Volltilgerdarlehen), winken zusätzlich zu den attraktiven Zinsen nochmals ordentliche Abschläge. Lassen sie sich hierzu unbedingt von unserer Baufinanzierungsspezialisten beraten.

Tendenz
Kurzfristig: schwankend
Langfristig: steigend

Autor des Artikels

Michael Neumann

Michael Neumann - Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG

Michael Neumann wurde 1975 in Fürth geboren. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte er ein Studium zum Diplom-Betriebswirt an der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg. Vor seiner Zeit bei Hypoport war Michael Neumann über acht Jahre für die Interhyp-Gruppe tätig, zuletzt als Geschäftsführer von MLP Hyp. Mit seinem Eintritt in den Hypoport-Konzern im Jahr 2011 übernahm er die Geschäftsführung der Qualitypool GmbH und war hier bis 2016 für den Bereich Finanzierungen und damit für die Produktsparten Baufinanzierung, Ratenkredit und Bausparen verantwortlich. Seit Juli 2016 ist er Vorstandsmitglied der Hypoport-Tochterfirma Dr. Klein Privatkunden AG.